Der Zeitzeuge Günther Rehbein berichtet

Drei Berichte von Schülern der neunten Klasse, die der Zeitzeuge Günther Rehbein besuchte.

Bericht 1

Am 28.09.2015 besuchte der deutsche Zeitzeuge Günther Rehbein die Georg-Weerth-Oberschule in Chemnitz.

Er wurde unter falschen Beschuldigungen festgenommen und verhaftet. Als 19-Jähriger wurde er nach Workuta in ein Arbeitslager gebracht.
Es war wirklich unglaublich bewegend. Was er alles durchmachen musste, können wir uns wahrscheinlich nicht einmal vorstellen. Wir sehen heutzutage alles für selbstverständlich.
Ich war so berührt, als er davon erzählte, wie es in dem Gefängnis in Chemnitz war. Er hat für lange Zeit keinen blauen Himmel gesehen und keine frische Luft gerochen. Als er eines Tages einmal raus durfte, hatte er Tränen in den Augen, weil er nach vielen Wochen wieder ein paar Sonnenstrahlen fühlen durfte.

Ich glaube, die heutige Generation weiß gar nicht, wie gut sie es hat. Wir sollten dankbar sein, dass wir so viel haben und zufrieden sein mit dem, was wir haben. Was wir heute als Schmerzen ansehen, ist wohl nichts im Gegensatz zu dem, was er ertragen musste. Die heutige Jugend gibt ihm Kraft weiterzumachen und nicht aufzugeben. Durch sie hat er den Krebs überstanden. Er ist dankbar uns seine Erlebnisse weitergeben zu können und will damit so lange weitermachen, wie es seine Kräfte zulassen.

Bericht 2

Am 28.09.2015 gab es in der Georg-Weerth-Oberschule eine besondere Geschichtsstunde mit vielen Emotionen.

Der Zeitzeuge Günther Rehbein (geboren 1933 in Gera), war in einer sowjetischen Straflagerregion namens Workuta inhaftiert und er hatte sich bereiterklärt, den Schülern und Lehrern der Georg-Weerth-Oberschule einen sehr emotionalen Teil seiner Lebensgeschichte anzuvertrauen.

Er erzählte von seiner Inhaftierung, den Qualen die er erleiden musste und seiner Befreiung.

3 Jahre lang musste Herr Rehbein in Workuta leben. Dort herrschten bis an die -60 Grad und er hatte kaum Kleidung. Die sowjetische Armee sprach russisch doch nur wenige konnten deutsch. Ein Offizier hatte ihm mit einem Dolch den Daumen zur Hälfte abgehackt, weil er sich auf dessen Schreibtisch abstützte. Herr Rehbein erzählte uns von seiner Tochter, die er vor 4 Jahren erst kennen lernte.

Er musste viele seelische und physische Qualen erleiden.

Doch durch seine Kameraden wurde er immer wieder aufgebaut. Dann, im hohen Lebensalter, die Diagnose Krebs. Doch Herr Rehbein kam nie auf den Gedanken aufzugeben, um auch weiterhin jungen Menschen über den Unrechtsstaat DDR zu berichten und ihnen Mut zu machen sich aktiv mit der DDR-Geschichte auseinanderzusetzen.

Jeder sollte wissen, was früher passiert ist und er empfindet es als seine Pflicht der Jugend mitzuteilen, was Menschen erleiden mussten.

Wir, Celina und Sandra, bedanken uns rechtherzlich für diese emotionalen Stunden. Es hat uns sehr gefreut, ihm zuzuhören. Wir hoffen ihre Geschichte bekommen noch viele Leute zu hören.

Bericht 3

Als er 19 Jahre alt wurde, wurde  er von der Staatssicherheit verhaftet und zur sowjetischen Kommandantur gebracht. Für ihn war der Vorwurf, die Planung eines Anschlags auf die Kommandantur in Gera mehr als absurd. An seine Frau und sein Kind denkend verweigerte der Unschuldige die Unterzeichnung eines russisch geschrieben Geständnisses. Es war sehr hart für ihn gewesen. Unter Gewaltdrohung musste er das Blatt unterschreiben. Nach einer Zeit gab er auf und unterschrieb das Blatt. Durch den vorherig verweigerten Kooperationswillen, entschied ein Militärtribunal über eine hohe Strafe. Er bekam 25 Jahre Internierungshaft im sibirischen Lager Gulag und Zwangsarbeit in einem Bergwerk.

Von 1952 bis 1955 verbrachte Günther Rehbein sein Leben dort, arbeitete hart und machte harte Zeiten durch. Das, was ihn am Leben hielt, war das Denken an  seine Frau und sein Kind. 

Konrad Adenauer gelang es im Jahre 1955 die letzten deutschen Kriegsgefangenen nach Hause zu holen, unter ihnen auch Günther Rehbein. Als Günther Rehbein nach Hause kam, sah er, dass seine Frau einen neuen Mann hatte. Er nahm sich vor, wegzuziehen und alleine zuwohnen. Mit 79 Jahren lernte er zum ersten Mal seine 60 Jährige Tochter kennen. Dieser Tag war für ihn der schönste Tag.